Montag, 26. Mai 2014

Zeitmangel

Viele Menschen hegen den Traum, einmal ein Buch zu schreiben. Sie möchten ihre Kreativität ausleben und etwas Bleibendes schaffen. Wer sollte ihnen diesen Wunsch verdenken? Schreiben ist etwas Wunderbares; es führt uns in die Tiefen des Unterbewusstseins und bringt uns mit Gefühlen und Erinnerungen in Berührung, die seit langem in uns schlummern und nur darauf warten, (wieder-) entdeckt und als Text verewigt zu werden.

Leider sprechen viele im Zusammenhang mit ihrem Traum vom Schreiben gern von „später“, „irgendwann“ und (der Klassiker): „Wenn ich mal Zeit habe.“

Die Wahrheit ist: Wer jetzt keine Zeit zum Schreiben findet, wird sie niemals finden.

Haben wir wirklich zu wenig Zeit?

Ich behaupte: Nein.

Wenn wir ehrlich sind, haben wir sehr viel Zeit. Selbst wenn wir 60 Stunden in der Woche einem „Brotberuf“ nachgehen, haben wir immer noch genügend Zeit zum Schreiben. Wer jetzt vehement widerspricht, sollte sich einmal fragen, wie viel Zeit er mit Dingen verplempert, die ihn seinem Traum vom Schreiben kein Stück näherbringen. Ich spreche von typischen Zeitfressern wie Facebook, YouTube, Fernsehen, Videospielen und vielen anderen. 

Wir Deutschen sind bekannt für unsere Pfennigfuchserei; wir nehmen einen Umweg von 15 Minuten in Kauf, um durch ein Rabattangebot einen Euro einzusparen. Wir freuen uns wie ein Kind über den gesparten Euro, aber verschwenden keinen Gedanken an die verlorene Viertelstunde. Zeit gehört zu den kostbarsten Ressourcen, die wir besitzen. Doch mit kaum etwas üben wir einen so verschwenderischen Umgang.

Es heißt: „Zeit ist Geld.“ Aber das stimmt nicht. Zeit viel kostbarer. Verlorenes Geld lässt sich zurückgewinnen – verlorene Zeit nicht.

Zunächst müssen wir ein Bewusstsein für den Wert der Zeit entwickeln. Erst dann werden wir imstande und willens sein, Zeit einzusparen und gewinnbringend zu nutzen.

Aber wie schaffen wir das?

Parkinsons Gesetz

Der britische Soziologe und Historiker Cyril Northcote Parkinson (1909 – 1993) formulierte folgendes Gesetz (auch als das „erste Parkinsonsche Gesetz“ bekannt):
„Arbeit dehnt sich genau in dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“
 Dieses Phänomen kennen wir sicher alle: Wenn uns noch Wochen oder gar Monate bleiben, um etwas (Unliebsames) zu erledigen – sei es die Steuererklärung, das Redigieren eines Aufsatzes oder das Aufräumen der Garage –, schieben wir es so lange auf, bis die Frist naht und wir Zeitdruck verspüren. Erst dann entwickeln wir eine ungeahnte Produktivität und schaffen es gerade noch rechtzeitig, die Aufgabe zu erfüllen. Hätten wir den Termin auch eingehalten, wenn er ein paar Wochen früher gelegen hätte? Aber natürlich! Wir hätten in diesem Fall einfach früher den Zeitdruck verspürt und die notwendige Produktivität entwickelt.

Wir können Parkinsons Gesetz zu unserem Zweck ausnutzen, indem wir uns für anstehende Aufgaben kürzere Fristen setzen und somit früher in den produktiven Modus umschalten. Auf diese Weise sparen wir nicht nur ungemein viel Zeit, sondern erreichen auch eine spürbar höhere Qualität, als wenn wir alles auf den letzten Drücker angehen.

Um Parkinsons Gesetz zu nutzen, ist es wichtig, Großprojekte – zu denen fraglos das Schreiben eines Romans gehört – in möglichst kleine Arbeitssegmente zu unterteilen. Wenn man den Mount Everest erklimmen will, ist es verdammt entmutigend, den Blick unentwegt auf den weit entfernten Gipfel zu richten. Ein weitaus größerer Ansporn lässt sich erzielen, wenn man das nächste Hochlager anpeilt oder auch nur die nächste Felswand. Für ein kurzfristig erreichbares Zwischenziel können wir uns sehr viel leichter motivieren als für das weit entfernte Endziel.

Je kleiner die gewählten Arbeitsschritte sind, desto stärker greift Parkinsons Gesetz. In Bezug auf das Schreiben kann dies die Fertigstellung des aktuellen Kapitels (oder auch nur des aktuellen Abschnitts) sein, die Recherche zu einem bestimmten Thema oder die Entwicklung einer Figur. Eigentlich spielt es keine Rolle, in welche Segmente wir unser Buchprojekt unterteilen – Hauptsache, sie sind schnell umsetzbar und lassen sich mit einer zeitnahen Frist verbinden. Durch die greifbare Erreichbarkeit des Ziels steigern wir unseren Antrieb (Esel-Möhre-Prinzip) und entwickeln aufgrund der gesetzten Frist eine hohe Produktivität. Im Klartext: Wir nutzen unsere Zeit optimal aus und schicken einen dankenden Gruß ans Grab von Herrn Parkinson. :-)
  
Kurze Schreib-Sessions

Viele Jahre lang habe ich einen gravierenden Fehler gemacht, den ich heute sehr bereue: Ich habe meist nur geschrieben, wenn ich viel Zeit am Stück hatte. Begründet habe ich dies damit, dass ich zum Schreiben einen freien Kopf bräuchte, was nur der Fall sei, wenn kein Zeitdruck bestehe und keine Termine auf mich warteten. Außerdem glaubte ich, dass es eine Weile dauern würde, bis meine Fantasie sich entfalte und mein kreativer Geist sich öffne. Inzwischen weiß ich: Das ist genauso bescheuert wie es klingt.

Es stimmt zwar, dass man eine gewisse Vorlaufzeit benötigt, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Aber wie lange braucht man wirklich, um in der Lage zu sein, etwas Brauchbares zu Papier zu bringen? Das meiste im Leben ist Kopfsache, so auch die vermeintliche Schreibunfähigkeit zwischen Tür und Angel. In Wahrheit lässt sich jedes noch so kleine Zeitfenster zum Schreiben nutzen. Natürlich wird man in der Frühstückspause oder im Wartezimmer beim Arzt keine ellenlangen Texte zustande bringen. Aber darum geht es auch gar nicht. Getreu dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ ist jeder Abschnitt, den man festhält, ertragreich. Sogar jeder Satz und jedes Stichwort  denn diese kleinen Erträge summieren sich mit der Zeit zu einer beachtlichen Masse. Wie sehr kurze Schreib-Sessions zur Steigerung der Produktivität beitragen, ist kaum zu bemessen. Aus kleinsten Notizen, die man unterwegs auf einen Block kritzelt, entstehen mit der Zeit ganze Romane. Außerdem werden wichtige Ideen und Ansätze festgehalten, die ansonsten in Vergessenheit geraten wären.

Sogar Mini-Schreibeinheiten von zehn Minuten (oder weniger), die sich auch an den stressigsten Tagen einschieben lassen, können die Arbeit an einem großangelegten Projekt um Monate (!) verkürzen. Die Zeit zum Schreiben existiert nicht nur in großen, zusammenhängenden Massen, die uns nur selten zur Verfügung stehen. Vielmehr liegt der Großteil der Zeit in winzigen Häppchen vor, die sich in zahllosen, kleinen Nischen des Alltags verbergen; wir müssen sie nur erkennen und mit Hilfe des Parkinsonschen Gesetzes maximal ausnutzen. Um einen begonnenen Absatz zu beenden, müssen wir nicht bis zum Wochenende oder bis zum Feiertag warten, erst recht nicht bis zum Sommerurlaub. Wir können das hier und jetzt erledigen, sobald sich ein kleines Zeitfenster öffnet. Wenn wir an jedem Werktag im Schnitt nur 200 Wörter schreiben, die wir früher unter dem Vorwand des Zeitmangels nicht geschrieben hätten, schaffen wir pro Woche 1.000 Worte mehr als zuvor. Auf ein Jahr gerechnet, bildet dieses Zusatz-Pensum fast die Länge eines Romans. Wenn wir zudem nach alter Gewohnheit die großen Zeitfenster am Wochenende, im Urlaub und an den Feiertagen nutzen – mit erhöhter Produktivität durch das Parkinsonsche Gesetz –, sind auch neben einem Vollzeit-Job zwei bis drei Romane im Jahr möglich.

Die erhöhte Produktivität führt aber nicht nur zu einer deutlichen Steigerung der Quantität, sondern auch der Qualität. Längere Unterbrechungen lassen uns den „Kontakt“ zur Geschichte verlieren. Nur wenn wir sie aufschreiben, solange sie noch frisch und heiß ist, entwickelt der Text eine eigene Spontaneität, erwacht zum Leben und erreicht Authentizität in den Figuren, Schauplätzen und im Plot. Wenn wir hingegen eine Ewigkeit am Manuskript herumbasteln und immer wieder lange Schreibpausen einlegen, verlieren wir die Details aus dem Auge, die den Kitt jeder guten Geschichte bilden; der Text wirkt dann künstlich und konstruiert – und das merken die Leser.

Zu guter Letzt gibt uns eine hohe und regelmäßige Produktivität ein echt gutes Gefühl und steigert unsere Motivation. Auf diese Weise geraten wir in keine Schreibblockade und verhindern Prokrastination. Je mehr sich das regelmäßige Schreiben – auch zwischen Tür und Angel – als Gewohnheit einschleift, desto weniger Mühe bereitet es uns. Und je weniger wir das Schreiben als Mühe empfinden, desto leichter fließen die Worte. 

Als weiterführende Literatur zu diesem Thema empfehle ich "Zeit zum Schreiben" von Richard Norden. Ein anschaulich verfasster Ratgeber mit zahlreichen Tipps, Tricks und Methoden zum effektiven Nutzen der Schreibzeit. 

Sonntag, 11. Mai 2014

Produktivität - Einführung

Dies ist eine Einführung in den Themenbereich „Produktivität“.
Hier findet ihr eine Liste typischer Verhaltensmuster und Schwierigkeiten, die dem kreativen Schreiben im Weg stehen. Im Laufe der kommenden Wochen werden die Überschriften, die aktuell noch rot markiert sind, auf einen separaten Beitrag verweisen, der tiefer in die entsprechende Problematik einführt und Lösungen anbietet. Was ich über viele Jahre herausgefunden habe, könnt ihr somit übersichtlich nachlesen und euren eigenen Nutzen daraus ziehen. Mit der Zeit soll die Liste durch eure Anregungen weiter anwachsen. Das Projekt ist also ein interaktiver Work in progress, bei dem ihr euch gern jederzeit mit Kommentaren, Fragen und Themenvorschlägen einbringen könnt.


Faulheit

Ich will ehrlich sein: Im Gegensatz zu einem Vielschreiber wie Stephen King, für den es nach eigener Aussage harte Arbeitet bedeutet, nicht zu schreiben, muss ich mich doch regelmäßig dazu aufraffen und meinen inneren Schweinehund überwinden. Inzwischen bin ich mit meiner Produktivität recht zufrieden (auch wenn noch Luft nach oben vorhanden ist), aber das war nicht immer so. Besonders in meiner Studienzeit habe ich die Faulheit auf die Spitze getrieben. Es fiel mir nicht schwer, unrasiert in der Jogginghose (oder ohne Hose) ganze Tage zu vergammeln. Ich konnte mir stundenlang stumpfsinnige YouTube-Videos anschauen, uralte Wiederholungen von „Eine Schreckliche nette Familie“ reinziehen oder auf der Couch liegen und buchstäblich gar nichts tun. Mein Tagespensum bestand zuweilen darin, eine schmutzige Kaffeetasse in die Spülmaschine zu räumen oder ein aufgeschlagenes Buch wieder zuzuklappen (und an guten Tagen zurück ins Regal zu stellen). Das ist heute ganz anders … ich rasiere mich regelmäßig! :-)
Spaß beiseite, durch diverse Kniffe und Tricks habe ich mir regelmäßige Schreibzeiten angewöhnt und erfülle nun ein ordentliches Wochenpensum. Es ist mein erklärtes Ziel, jedes Jahr zwei Bücher zu vollenden (hoffentlich nehme ich den Mund nicht zu voll). Das wäre früher undenkbar gewesen, reine Science-Fiction. Aber es ist möglich und mit Hilfe bestimmter Techniken nicht einmal sehr schwer.  


Prokrastination

Unter Prokrastination leidet meiner Überzeugung nach nahezu jeder Mensch auf diesem Planeten, wenn auch in unterschiedlich starker Ausprägung. Man versteht darunter das ständige Aufschieben zu erledigender Arbeiten. Wer schon einmal für eine Klausur lernen musste und stattdessen die Möbel abgestaubt hat, kennt dieses Phänomen. Im Gegensatz zur Faulheit fehlt uns nicht der Wille zur Arbeit und Anstrengung, doch leiten wir unsere Zeit und Energie in die falschen Kanäle. Wir sind nicht untätig, aber tun etwas Unwichtiges, um das Wichtige, das wir als langweilig und unangenehm empfinden, nicht tun zu müssen. Auch Versagensangst und falscher Perfektionismus können Ursachen der Prokrastination sein. Obwohl wir genau wissen, dass uns das Aufschieben in Schwierigkeiten bringt, können wir uns kaum dagegen wehren. Indem wir uns vor wichtigen Aufgaben drücken, bekommen wir ein schlechtes Gewissen, das unsere Arbeitsleistung noch mehr hemmt und die Prokrastination fördert. Das ist ein ziemlich übler Teufelskreis, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Tatsächlich existieren jedoch einige wirkungsvolle Methoden, um das Aufschiebeverhalten zu überwinden und die Todo-Liste effektiv abzuarbeiten.



Über Versagensangst wird im Allgemeinen wenig gesprochen, obwohl ich sicher bin, dass viele darunter leiden. In einer Leistungsgesellschaft, die Arbeit und Produktivität in den Mittelpunkt stellt, gilt Versagensangst als beschämende (Charakter-) Schwäche. Wer in einem Vorstellungsgespräch auf die Frage nach seiner größten Schwäche Versagensangst anführt, verschlechtert drastisch seine Chancen auf den Job. Versagensangst ist, wenn man so will, eines der wenigen verbliebenen Tabuthemen unserer Zeit. Beim Schreiben habe ich lange unter Versagensangst gelitten, die meine Produktivität erheblich eingeschränkt hat. Versagensangst geht mit Selbstzweifeln einher und ist ein wahrer Totschläger für die Kreativität. Aus Angst vor dem Scheitern brachte ich kaum ein Wort zu Papier, und die mangelnde Produktivität schürte meine Angst – eine fatale Abwärtsspirale. Um negativer Kritik vorzubeugen, suchte ich am Reißbrett nach der vermeintlich „perfekten“ Handlungsskizze, mit der nichts schiefgehen kann, und vergaß, dass ich schreiben muss, um Ideen zu finden. Wer ständig Angst hat und zweifelt, verhindert jede Inspiration und Kreativität. Ich wollte zwanghaft alles richtig machen und verfiel dem falschen Perfektionismus. Erst als ich die Versagensangst abschüttelte und das irrsinnige Streben nach Perfektion aufgab, konnte meine Fantasie sich frei entfalten.


Falscher Perfektionismus


Beim Schreiben wollte ich lange Zeit alles perfekt machen. Absolut perfekt. Wenn ein Text eigentlich fertig war, habe ich mir oft noch mehrere Wochen (!) Zeit genommen, um ihn etliche Male gegenzulesen und an Einzelheiten zu feilen. Ich habe Sätze umgestellt, die völlig in Ordnung waren, Worte ausgetauscht, an denen nichts auszusetzen war, und mehrfach jedes Komma geprüft. Ich war wie besessen von der Idee eines lupenreinen Manuskripts. Heute weiß ich, dass diesem Perfektionismus-Wahn die Angst vor negativer Kritik zugrunde lag. Indem ich das Skript bis ins kleinste Detail auf Hochglanz polierte, wollte ich es vor kritischen Leserstimmen schützen. Niemand sollte auch nur das Mindeste bemängeln können, selbst wenn er wollte. Wie unsinnig dieses Bestreben ist, wurde mir erst sehr viel später klar. Davon abgesehen, dass wahre Perfektion überhaupt nicht zu erreichen ist (daher auch der Begriff „falscher Perfektionismus“) und man es niemals jedem Leser recht machen kann, sorgt der wochen- oder gar monatelange Feinschliff für ein denkbar schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Der italienische Ökonom Vilfredo Pareto (1848 – 1923) formulierte die sog. 80-zu-20-Regel (auch Paretoprinzip oder Pareto-Effekt), nach der bei einem Projekt (zum Beispiel dem Schreiben eines Romans) 80 % der Ergebnisse nach 20 % der Gesamtzeit erreicht werden. Demnach verwenden wir 80 % der Gesamtzeit auf 20 % der Ergebnisse. Beim Schreiben ist der falsche Perfektionismus hauptverantwortlich für diesen Wahnsinn. Damit will ich nicht sagen, dass man die Qualität schleifen lassen sollte, um Zeit zu sparen. Doch man muss einmal ein Ende finden, und wenn ein Manuskript fertig ist, dann ist es fertig. Irgendwann wird der Text durch das Umstellen von Sätzen und Austauschen von Worten nicht mehr besser, sondern nur noch anders – in manchen Fällen sogar schlechter. Also: Tod dem falschen Perfektionismus und ein dreifaches Hoch auf den Mut zur Unvollkommenheit!



Viele Menschen träumen davon, einmal ein Buch zu schreiben ... irgendwann ... wenn sie mal Zeit haben. Die Wahrheit ist: Wer jetzt keine Zeit zum Schreiben findet, wird sie niemals finden. Der Zeitmangel gehört zu den meistbedienten Vorwänden, die Arbeit an einem Roman gar nicht erst aufzunehmen. Doch wenn wir ehrlich sind, haben wir alle sehr viel Zeit. Stimmt nicht? Dann macht euch einmal bewusst, wie viel Zeit ihr täglich mit Dingen vergeudet, die absolut nichts mit dem Schreiben zu tun haben. Das Problem ist nicht, dass wir zu wenig Zeit haben. Das Problem ist, dass wir unsere Zeit verdammt schlecht nutzen. Ein oft begangener Fehler besteht darin, nur dann zu schreiben, wenn sehr viel Zeit am Stück zur Verfügung steht. Natürlich ist das selten der Fall; kaum unter der Woche und nur manchmal am Wochenende. Der Nutzen kurzer Schreib-Sessions wird enorm unterschätzt, sodass endlos viel Zeit ungenutzt im Rinnsal versickert. Außerdem fühlen viele sich vom weit entfernten Ende des Buchprojekts schnell entmutigt und werfen daher vorzeitig das Handtuch. Doch hier gibt es Abhilfe durch das Parkinsonsche Gesetz. Was es damit auf sich hat und welche anderen Methoden es gibt, unsere Zeit optimal zum Schreiben zu nutzen und eine höchstmögliche Produktivität zu erreichen, erfahrt ihr in diesem Beitrag.



In diese Thematik spielen Faulheit, Prokrastination und Versagensangst gleichermaßen hinein. Wer sich zum Schreiben hinsetzt, aber kaum einen Satz zustande bringt, drückt sich entweder vor der Arbeit oder lässt sich von der Sorge lähmen, nichts Vernünfiges zu Papier zu bringen. Beides führt dazu, dass man die Schreibzeit nahezu ungenutzt lässt und infolgedessen Gewissensbisse verspürt, die schlimmstenfalls in eine handfeste Schreibblockade münden. Es gibt diverse Techniken, um die Motivation auch über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten und ein regelmäßiges Schreibpensum zu erfüllen. Von besonderer Bedeutung ist die Einsicht, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Außerdem können wir nicht kreativ sein, wenn wir uns schlecht fühlen und/oder abgelenkt sind. Feste Schreibzeiten und körperliches Wohlbefinden sind die Voraussetzungen für einen stetigen Arbeitsfortschritt.



Eine der meistgestellten Fragen seit Erfindung des Autoren-Interviews lautet: "Wie finden Sie die Ideen für Ihre Bücher?"
Auf diese Frage gibt es keine in Stein gemeißelte Antwort. Ideen lassen sich nicht gezielt entdecken wie Silbermünzen, die man mit einem Metalldetektor am Strand sucht, um sie an der richtigen Stelle auszubuddeln. So funktioniert das kreative Schreiben einfach nicht. Der Autor geht nicht auf Ideenjagd, sondern die Ideen kommen zum Autor. Sie sind wie Schmetterlinge, die uns unverhofft aus dem blauen Himmel entgegenflattern. Es ist dann unsere Aufgabe, das Fangnetz bereitzuhalten, um sie aus der Luft zu fischen und festzuhalten. Wer schreibt, begibt sich auf eine Reise ins Ungewisse. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern Voraussetzung für jede Form von Kreativität und Inspiration. Nur wer sich von starren Vorgaben, einem vorgefertigten Plot-Schema und anderen Schablonen löst, wird die Ideen-Schmetterlinge in ihrer reinen Form erblicken und in der Lage sein, ihrem unvorhersehbaren Flug zu folgen. Als Autor muss man sich von der eigenen Fantasie treiben lassen, wohin sie auch führt. Nur wer dazu den Mut findet, wird Geschichten erfinden, die nicht konstruiert wirken, sondern glaubhaft und authentisch.

Montag, 5. Mai 2014

Blog-Rezension zu "Wächter der Erinnerungen"

Die Berliner Buchbloggerin Tanja Böttcher hat den ersten Teil meines Romans "Wächter der Erinnerungen - Das Band der Freundschaft" auf ihrem Blog "Bücherjunkie" rezensiert.

Was sie von der Geschichte hält, könnt ihr hier nachlesen.

Dies ist die dritte Rezension, die auch auf Amazon zu sehen ist. Zuvor hat das Buch bereits zwei Fünf-Sterne-Rezensionen erhalten, über die ich mich sehr gefreut habe! :)

Das Buch gibt es in allen gängigen E-Book-Shops für 2,99 EUR. Eine Printversion ist derzeit noch nicht verfügbar.

Kaufen bei Amazon oder beam-ebooks



Sonntag, 4. Mai 2014

Was ist eine Metapher?

Metaphern werden seit der Antike – denn so lange und noch länger gibt es sie schon – untersucht, definiert und klassifiziert. In diesem Beitrag werde ich nicht den langen sprachhistorischen Teppich ausrollen – oha, eine Metapher! –, denn das würde erstens den Rahmen sprengen (noch eine Metapher!), zweitens möchte ich mich ungern des Mordes schuldig machen, indem ich den einen oder anderen Leser zu Tode langweile.

Zunächst möchte ich mich an einer Metapher-Definition der eigenen Kreation versuchen, da mir von den vielen vorhandenen Definitionen keine so recht gefallen will. Anschließend werde ich verschiedene Metapher-Arten vorstellen (schnarch, schnarch, ich weiß) und komme am Ende auf die Verwendung von Metaphern in literarischen Texten zu sprechen (eines vorweg, Leute: Seid sparsam mit der Bildhaftigkeit!).

Was ist eine Metapher?

Wikipedia gibt folgende Definition:

„Ausdruck, der statt des wörtlich Gemeinten etwas bezeichnet, das ähnlich ist.“

Das Konzept der Ähnlichkeit ist strittig, aber um nicht allzu weit ausholen zu müssen, wollen wir in diesem Beitrag damit arbeiten. Jedoch fehlt in dieser Definition meiner Meinung nach ein entscheidender Zusatz.

Um zu zeigen, was ich meine, betrachten wir folgendes Beispiel: „Das Kind ist ein Papagei.“

Um diese Metapher zu verstehen, muss man wissen, was ein Papagei ist bzw. welche besonderen Eigenschaften ihn auszeichnen, die bei einem Kind in ähnlicher Weise vorhanden sein können (wir ahnen schon: Der Sprecher meint nicht, dass das Kind die Flügel ausbreiten und im Zimmer umherfliegen kann.)

Der Duden definiert „Papagei“ wie folgt:

„Bunt gefiederter tropischer Vogel mit kurzem, abwärtsgebogenem Schnabel, der die Fähigkeit hat, Wörter nachzusprechen.“

Welche dieser Eigenschaften könnte wohl auch ein Kind besitzen?
Bunt gefiedert? Unwahrscheinlich. Abwärtsgebogener Schnabel? Lustige Vorstellung, aber nein. Die Fähigkeit, Wörter nachzusprechen? Bingo. Mit dieser Marotte können Kinder die Erwachsenen buchstäblich in den Wahnsinn treiben.

Schauen wir uns noch ein Beispiel an: „Andre Agassi ist der Papagei des Tenniszirkus.“

So wurde der ehemalige Tennisstar in seiner aktiven Zeit häufig bezeichnet. Aber was hat Agassi mit einem Papagei gemeinsam? Er kann (soweit ich weiß) nicht durch die Luft gleiten und hat auch keinen abwärtsgebogenen Schnabel. Anders als so manches Kind hat er aber auch nicht die Angewohnheit, Worte nachzuplappern (das wäre doch irgendwann aufgefallen).

Agassi war vielmehr bekannt für seine farbenfrohe Sportbekleidung, die dem bunten Gefieder des Papageis glich (die einzige Ausnahme machte er auf dem heiligen Rasen in Wimbledon, auf dem weiße Kleidung traditionsgemäß vorgeschrieben war). Auf das Kind wurde also eine andere Papagei-Eigenschaft übertragen als auf Andre Agassi.

Daher muss die Definition durch den Zusatz ergänzt werden, dass vom ursprünglichen Ausdruck nicht die gesamte Bedeutung, sondern nur ein bestimmtes Bedeutungselement auf etwas anderes übertragen wird.

Bei den meisten Metaphern ist in der Regel unschwer zu erkennen, um welches übertragene Bedeutungselement es sich handelt. Wenn zum Beispiel ein Feuilleton einen jungen Autor als „Neuen Goethe“ bezeichnet, wird schon nicht gemeint sein, dass er ein aufstrebender Naturwissenschaftler, Geologe, Staatsmann, Theaterintendant oder Frauenheld sei – auch wenn Goethe all das gewesen ist. In erster Linie kennen wir Goethe als Dramatiker und Dichterfürsten. Im Zusammenhang mit einem jungen Autor, der im Feuilleton gelobt wird, liegt das gemeinte Ähnlichkeitsverhältnis also auf der Hand (ups – Metapher).

Bei anderen Metaphern, wie der Papagei-Metapher, lässt sich das übertragene Bedeutungselement nur aus dem Kontext erschließen. Bei metaphorischen Neuschöpfungen wird die Erklärung oft direkt mitgeliefert. Hier ein Beispiel, das ich vor kurzem in einem Spiegel-Online-Artikel entdeckt habe:

„Die Kopie [gemeint ist ein Serien-Spin-off] ist eben doch nur ein Trostpflaster. Sie lindert den Abschiedsschmerz ein bisschen. Aber sobald die Wunden verheilen, reißt man das Pflaster wieder herunter. Man braucht es nicht mehr.“

Welche Arten von Metaphern gibt es?

Der Übersicht halber möchte ich die verschiedenen Metapher-Arten wie folgt unterteilen (eine feinere Unterteilung findet ihr hier):

Lexikalisierte (oder tote) Metaphern

Redensartliche Metaphern

Neugeschöpfte Metaphern

Zu den lexikalisierten Metaphern zählen die vielen Wendungen unserer Sprache, deren metaphorischer Gehalt uns kaum oder gar nicht mehr bewusst ist. Dazu gehören sowohl konkrete Ausdrücke wie Flaschenhals, Warteschlange und Baumkrone als auch Abstrakta wie Vertrauensbruch, Zahn der Zeit und Mauer des Schweigens.

Eine redensartliche Metapher ist die bildhafte Veranschaulichung eines bestimmten Sachverhalts. So wie die lexikalisierten Metaphern, sind uns diese Wendungen in der Regel wohlbekannt, sodass wir sie nicht (mehr) zu entschlüsseln brauchen.

Beispiele:

Die Nadel im Heuhaufen suchen (etwas mit geringer Erfolgsaussicht suchen)

Schnee von gestern (veraltet, nicht mehr aktuell)

Über eine Sache Gras wachsen lassen (Eine unangenehme Angelegenheit in Vergessenheit geraten lassen)

Jemandem das Herz brechen (Jemandem Liebeskummer bereiten)

Vor die Hunde gehen (zugrunde gehen)

Auf den Zahn fühlen (ausforschen, sehr kritisch prüfen)

Ins Gras beißen (sterben)

Etwas auf die lange Bank schieben (etwas Unangenehmes aufschieben, hinauszögern)

Mit neugeschöpften Metaphern meine ich bildhafte Wendungen, die nicht dem allgemeinen Sprachrepertoire angehören und (zum Beispiel im Zuge des kreativen Schreibens) neu gebildet werden. Eine solche metaphorische Wendung ist entweder (in ausreichender Weise) selbsterklärend oder sie kommt, wie im obigen Spiegel-Online-Beispiel, mit einer Erklärung daher.

Funktion und Verwendung von Metaphern

Metaphern können einen komplizierten und abstrakten Sachverhalt bildhaft veranschaulichen und umfangreiche Umschreibungen ersetzen. Das trifft besonders auf lexikalisierte Metaphern zu, für die kein eigener Begriff existiert. In diesem Fall verhält sich die Metapher wie eine gewöhnliche Vokabel, für die es kein geeignetes Synonym gibt (z. B. Stuhlbein).
Oft fördern Metaphern auch die Einprägsamkeit einer Aussage, da unser Gedächtnis bildhafte Eindrücke besser speichert als abstrakte.
Metaphern können auch den Kunstgehalt eines Textes erhöhen und nehmen in diesem Fall explizit die Rolle eines rhetorischen Mittels ein. Ein Paradebeispiel ist Martin Luther Kings berühmte Rede I have a Dream, die unter anderem wegen ihres vielfältigen Gebrauchs sinnhafter Metaphern als ein Meisterwerk der Rhetorik gilt.

Bei allen Vorzügen, die Metaphern bieten, rate ich beim Schreiben zu einem sparsamen Einsatz selbiger. Viele redensartliche Metaphern wirken inzwischen abgedroschen und klischeehaft (besonders in der Trivialliteratur findet man häufig solche Klischee-Metaphern wie „Feuer der Liebe“ oder „Flamme der Leidenschaft“, bei denen sich mir die Fußnägel aufrollen). Eine besonders große Gefahr besteht beim Erschaffen neuer Metaphern; sind sie schief oder im Kontext unpassend, führen sie zu Missverständnissen und/oder unfreiwilliger Komik. Wenn der Leser bei einer Textstelle, die dramatisch wirken soll, schmunzelt oder gar in Gelächter ausbricht, ist das für den Autor ein ziemlich harter Schlag ins Gesicht. ;)

Außerdem rate ich von einem übermäßigen Metapherngebrauch ab, weil jede Bildhaftigkeit den Leser letztlich vom eigentlich Gesagten entfernt. Das hängt mit der Funktionsweise unserer Sprache zusammen, die auf Assoziationen beruht. Wenn wir ein bestimmtes Wort hören, sei es Baum, Rakete, Sonne oder Hund, erscheint vor unserem inneren Auge ein entsprechendes Bild. Das können wir weder beeinflussen noch verhindern. Der Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure (1857 – 1913) hat im Rahmen seiner Semiologie (dargelegt in seiner einflussreichen Abhandlung Cours de linguistique générale) die Untrennbarkeit von Zeichen und Bedeutung aufgezeigt. Wenn ein Text uns also durch zahlreiche Metaphern und metaphorische Wendungen in fast jedem Satz in eine andere Bedeutungssphäre führt, lenkt dies ungemein vom eigentlichen Inhalt ab und erschwert somit das Verständnis. Plötzlich schwirren dem Leser zahllose Bilder vor dem inneren Auge, die nichts mit der erzählten Geschichte zu tun haben; das kann nicht im Sinne des Verfassers sein.

Achtet also trotz der Mehrwerte, die Metaphern zu bieten haben, auf einen gemäßigten Gebrauch und verwendet sie nur, wenn sie wirklich in den Zusammenhang passen und das Gesagte verdeutlichen. Wenn sie nichts zur Veranschaulichung beitragen oder gar für Verwirrung sorgen, behandelt sie wie Füllwörter: Einfach streichen. :)